Case 02 · CNC / Zeichnungsteile

40 Zeichnungsteile neu geordnet — was man verlagern sollte, und was nicht.

Branche
Maschinenbau (Sondermaschinen)
Teilfamilie
40 CNC-Zeichnungsteile
Volumen
8.000–60.000 €/Jahr je Teil
Ergebnis
22 verlagert, −28 % Kosten

Ausgangslage

Der Kunde baut Sondermaschinen und beschafft dafür rund 40 Zeichnungsteile — Wellen, Gehäuse, Adapter, Spannplatten — bei sieben deutschen Job-Shops. Die klassische Mittelstandsituation: Jedes Teil hat einen Historien-Lieferanten, niemand hat die Gesamtsicht. Steigende Preise (im Schnitt +6 %/Jahr über drei Jahre) und Lieferzeiten, die im Engpassfall sechs Monate erreichten, machten das Thema 2025 zum Vorstandsthema. Die Sorge vor China-Sourcing war traditionell geprägt: „Qualität nicht kontrollierbar, Zeichnungen nicht geschützt."

Vorgehen: Clusterung vor Verlagerung

Statt alle 40 Teile pauschal anzufordern, clusterten wir das Programm nach drei Kriterien: Wiederholrate und Stückzahl (serientauglich vs. einmalig), Toleranzprofil (IT6-kritisch vs. ISO-2768-Masse) und Dokumentationsanspruch (3.1 + Cpk vs. Sichtkontrolle). Ergebnis der Clusterung:

  • Cluster A — serientauglich, dokumentierbar (22 Teile): Wiederkehrende Serien ab ~5.000 Stück/Jahr mit klaren Prüfkriterien. Kandidaten für China.
  • Cluster B — kritisch/klein (11 Teile): IT6-Toleranzen in Kleinstserien, häufige Änderungen, enge Entwicklungskopplung. Empfehlung: in Deutschland bleiben — Verlagerungskosten übersteigen den Nutzen.
  • Cluster C — Sonderfälle (7 Teile): Vier Teile mit Bearbeitungsanteil < 30 €/Stück (lokal günstiger), drei Teile mit IP-Kritikalität (Referenzmaß-Logik und Aufsplittung empfohlen, umgesetzt bei einem Teil).

Umsetzung

Monat 1–2

Shortlisting & Audits

Vier CNC-Werke in Jiangsu auditiert; zwei nach Bewertungsraster qualifiziert (Maschinenpark, KMG, Datenkultur). Aufbau einer gemeinsamen Zeichnungsdatenbank mit Revisionskontrolle.

Monat 3–4

Pilotteile

Sechs Pilotteile aus Cluster A angefragt — als definiertes RFQ-Paket mit Prüfkriterien und Incoterms (Anleitung: unser RFQ-Guide). Angebotsvergleich über beide qualifizierte Werke.

Monat 5–6

Erstmuster & Freigaben

Erstmuster aller sechs Teile vollflächig geprüft. Ein Teil fiel durch (Oberflächenrauheit an Dichtsitz) — Nacharbeit beim Werk, zweite Musterfreigabe erfolgreich. Fünf Teile freigegeben, eines zurückgestellt.

Monat 6–7

Rollout & Review-Rhythmus

Restliches Cluster A übertragen; Lieferantensteuerung mit PPM-Reporting eingerichtet. Halbjährlicher Review der Cluster-Zuordnung — Cluster B wird jährlich neu bewertet.

Ergebnis

  • −28 % Beschaffungskosten auf das verlagerte Volumen (TCO; inklusive Betreuungs- und Prüfkosten).
  • Lieferzeiten für Cluster-A-Teile: 10–14 Wochen statt 8–24 Wochen im deutschen Engpassfall — planbar statt hoffen.
  • 18 Teile blieben in Deutschland — mit sauberer Begründung statt pauschalem „China ja/nein".
  • Der initial abgelehnte Teil wurde nach Dichtsitz-Nachbearbeitung doch noch freigegeben und gehört heute zu den stabilsten Positionen des Programms.

Lessons Learned

  1. Clusterung schlägt Pauschalität: Die ehrliche Antwort „18 Teile bleiben hier" hat dem Vorstand mehr Vertrauen gegeben als jede pauschale Erfolgsstory.
  2. Das RFQ-Paket ist die halbe Miete: Die sechs Pilotanfragen lieferten vollständigere Angebote als die vorherige Praxis über Jahre — Struktur schlägt Menge.
  3. IP-Schutz ist Prozess, nicht Vertrag: NDA plus Wasserzeichen plus Revisionskontrolle reduziert das Risiko auf ein akzeptables Maß; Referenzmaß-Logik für das eine IP-kritische Teil hat die Konstruktionsabteilung überzeugt.