Case 04 · Verbindungselemente

HV-Schrauben M24 10.9 — der Fall, für den die Heat-Disziplin gebaut wurde.

Branche
Stahlbau / Metallbau
Teilfamilie
HV-Schrauben M24, Klasse 10.9, EN 14399
Volumen
38.000 Stück + Nachschlag
Ergebnis
−19 % bei vollständiger Zeugniskette

Ausgangslage

Ein Stahlbauer benötigt für ein Logistik-Großprojekt rund 38.000 hochfeste Schraubenverbindungen M24 der Festigkeitsklasse 10.9 nach EN 14399-4 inklusive Muttern und Scheiben — mit vollständiger Chargendokumentation für die Bauakte des Bauherrn. Der europäische Markt war zum Projektstart eng gefasst: Lieferzeiten über sechs Monate, Preise im oberen Bereich. Die Alternative über den allgemeinen Handel schied aus — genau dort liegt das Fälschungsproblem.

Vorgehen

Woche 1–4

Werkqualifizierung

Drei Schraubenwerke geprüft (Haiyan-Cluster). Audit-Schwerpunkte: Eigenhärterei mit Ofenladungsprotokollen, Zugprüfmaschinen für Klasse-10.9-Nachweise, Galvanik-Bake-Kette, Draht-Herkunft. Qualifiziert wurde ein Werk mit vollständiger Rückverfolgbarkeit Draht-Heat → Ofenladung → Galvanik-Bad.

Woche 5–6

Anfrage mit Zugversuchsklausel

Anfrage inklusive: Zugversuch je Charge mit Istwerten, Härteverteilung Kern/Rand, Bake-Protokoll nach Galvanik, geprägte Kennzeichnung (Herstellerzeichen + Klasse). Angebotsvergleich über zwei Werke.

Woche 7–12

Erstcharge & Zugversuche

Erstcharge mit unabhängiger Zugversuchs-Begleitung: drei Proben je Charge, Soll-Ist-Abgleich dokumentiert. Alle Werte im oberen Toleranzband — typisch für Werke mit guter Prozessführung.

Woche 13–20

Hauptlieferung & Nachschlag

Vier Teillieferungen nach Montagefortschritt. Wareneingang: Stempel-Prüfung, Heat-Abgleich Zeugnis vs. Kennzeichnung, Härtemessung an Stichproben (je Charge zwei Stück).

Der Fälschungsversuch

Beim Nachschlag flog der Fall auf: Eine angebotene „Zwischencharge" von 4.000 Stück — nicht vom beauftragten Werk, sondern über einen Zwischenhändler angeboten, der „kurzfristig Kapazität" habe. Auffälligkeiten: Die Prägung war gestempelt statt geprägt, das Zeugnis wies keine Ofenladung aus, und die Heat-Nummer entsprach nicht dem Format des Werks. Wir lehnten ab, informierten das Werk (das seinen Namen schützen wollte) und bestellten die Nachschlagcharge regulär mit einer Verzögerung von zehn Tagen — die der Montageplan aufnahm. Die 4.000 Stück hätten vermutlich die Zugfestigkeit knapp verfehlt oder frühe Wasserstoffsprödigkeitsrisiken getragen; dokumentiert werden konnte nichts davon. Genau dafür existiert die Chargenlogik.

Ergebnis

  • −19 % gegenüber dem EU-Angebot (TCO; die Differenz gegenüber dem Zwischenhändler-Angebot lag bei nur weiteren 3 % — der falsche Platz zum Sparen).
  • Vollständige Bauakte: 14 Chargen, je drei Zugproben, sämtliche Protokolle Heat-bezogen abgelegt — Bauherr-Audit bestanden.
  • Qualität: Null Reklamationen über 38.000 Stück und zwei Jahre Lager-Nachlauf.

Lessons Learned

  1. Die 3 %, die teuer werden: Der Zwischenhändler war minimal billiger. Der Unterschied zwischen „dokumentiertem Werk" und „Papier ohne Herkunft" ist in der Beschaffung unsichtbar — und in der Bauakte alles.
  2. Geprägt, nicht gestempelt: Prägung in den Kopf ist das simpelste und robusteste Fälschungshindernis — und trotzdem akzeptieren viele Einkäufer gestempelte Ware.
  3. Bake ist kein Detail: Bei Klasse 10.9 nach galvanischer Verzinkung ist die Wasserstoff-Entgasung (Bake) die Grenze zwischen dauerhafter und vorzeitig versagender Verbindung. Das Protokoll gehört in jede Anfrage.

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